Rückblick 2018

Um den Einfluss der Digitalisierung auf Sicherheitskonzepte, Geschäftsmodelle und Fertigungstechniken in der Luftfahrt ging es bei der dritten Digital Aviation Conference des Bitkom am 11. September 2018 in Berlin Mitte. Im historischen Ambiente der Kalkscheune diskutierten 350 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik darüber wie digitale Lösungen zu flüssigeren Abläufen und mehr Wertschöpfung an Flughäfen, besseren Sicherheitskonzepten sowie zur effizienteren Produktion, Nutzung und Wartung von Flugzeugen beitragen können.

Nach der Begrüßung durch Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder warb Jürgen Urbanski, VP Digital Platforms bei Airbus, in einem leidenschaftlichen Plädoyer für mehr Innovationsfreude bei den Unternehmen. Dazu gehöre auch Fehlerbereitschaft: „Eine risikoscheue Unternehmenskultur ist das größte Risiko, das ein Unternehmen heutzutage eingehen kann“, appellierte er an seine Zuhörerinnen und Zuhörer. „Lieber viele kleine Fehlschläge als einen Big Bang!“


Zudem müsse man Menschen in die eigene Firma hineinholen, denen der Status quo nicht genug sei. „Innovationstourismus nach Silicon Valley reicht nicht aus um eine Innovationskultur zu schaffen. Man muss Menschen haben, die es wagen den Betriebsfrieden zu stören." Generell seien die Strukturen der großen Luftfahrtunternehmen noch zu wenig auf die Herausforderungen der Digitalisierung ausgerichtet. Er rate daher dazu, digitale Bereiche separat zu großen bestehenden Systemen zu implementieren.

Kostensenkungen durch Simulationen und den Digitalen Zwilling

Welche enormen Chancen die Digitalisierung für die kostenintensive Entwicklung neuer Flugzeugtypen bietet, erklärte Prof. Dr. Norbert Kroll, Gründungsdirektor des DLR Instituts für Softwaremethoden zur Produkt-Virtualisierung, im anschließenden Gespräch mit dem Bitkom Referenten für Luftfahrt & 3D-Druck Julius Katzmareck. So könne etwa die Anzahl der Flugversuche bis zur Zertifizierung eines Flugzeugs durch digitale Simulationen vermutlich deutlich reduziert werden.

Über die Potenziale des Digitalen Zwillings in der Luftfahrt referierte Dr. Katharina Schäfer, Solution Management Director bei SAP. „Bis 2035 wird es einen Mehrbedarf von 33.000 Flugzeugen geben, weil alte Maschinen an das Ende ihres Lebenszyklus kommen und weil das Flugaufkommen steigt“, legte sie in ihrem Vortrag dar. „Die Entwicklungs- und Produktionszyklen müssen deshalb dringend verkürzt werden.“ Gleichzeitig müsse die Luftfahrtindustrie sich dringend der Aufgabe stellen, die Umweltbelastungen zu reduzieren: „Wenn wir keine riesigen Flugzeugfriedhöfe haben wollen, brauchen wir schlüssige Entsorgungs- und Recyclingkonzepte!“ Hier böten etwa Digitale Zwillinge auf Komponentenebene ein großes Potenzial.

Hot Topic Cybersecurity

Um das Thema Cybersecurity drehten sich die Vorträge von Nils Mäurer, Cybersecurity Researcher am DLR - Institut für Kommunikation und Navigation, und Jacques Kruse Brandao, Head of Political Affairs & Public Co-Creation bei NXP.„Cybersecurity ist der Enabler für die Digitalisierung der Luftfahrt“, so Mäurer. Der zivile Luftverkehr werde sich zum Jahr 2025 gegenüber 2008 voraussichtlich verdoppeln. Um das langfristige, skalierbare Wachstum des Luftverkehrs zu ermöglichen, sei die Einführung von computergestützten Luftverkehrsmanagement-Anwendungen und digitaler Datenkommunikation unbedingt erforderlich.

Jacques Kruse Brandao plädierte nachdrücklich dafür, dem Thema Sicherheit bei Drohnen mehr Beachtung zu schenken. Security-Konzepte für Drohnen gehörten zum Smart-City-Konzept der Zukunft mit dazu. „Aktuell werden Drohnen jedoch noch  nicht mit ähnlichen Sicherheitsstandards wie selbstfahrende Autos entwickelt – sondern eher wie ihr Thermostat im Smart Home.“

Große Chancen für deutsche Hersteller

Wie sehr die Luftfahrt der Zukunft von Drohnen geprägt sein werde, betonte auch Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in seiner politischen Keynote. „Wenn es darum geht, Windanalagen zu kontrollieren, Pipelines zu kontrollieren oder Versorgung zur Ersten Hilfe wie Defibrillatoren bereitzustellen, haben Drohnen viel Potenzial“, nannte er einige konkrete Anwendungsfelder. Für deutsche Hersteller böten sich hier große Chancen: „Wir sind nicht unbedingt darin gut, die billigsten Lösungen für den Consumermarkt zu produzieren aber bei professionellen Lösungen sind wir weit vorne.“ Mit ihrem jährlich 150 Millionen Euro umfassenden Luftfahrtforschungsprogramm fördere die Bundesregierung entsprechende Innovationen, gerade auch bei Mittelständlern, Gründern und Startups.

Flughäfen der Zukunft


Um die Optimierung von Flughäfen sowie die Customer Journey des Fluggastes drehten sich die Vorträge von Michael Zaddach, Leiter des Servicebereichs IT am Flughafen München, Jörg Diederichs von Huawei und Oliver Jäger von Q-loud, Bernd Knobe, Geschäftsführer von P3 Aero Systems sowie Thomas Bengs, Head of Biometrics EMEIA bei Fujitsu.am Nachmittag der Konferenz.

Einig waren sich die Referenten darin wie wichtig es sei, den Einsatz digitaler Technologien am Passagiererlebnis auszurichten. „Bisher war unser Flughafen aufgeteilt in Geschäftsbereiche wie Aviation und Non-Aviation“, so Michael Zaddach. „Jetzt gilt es darum diese verschiedensten Bereiche zusammenbringen.“

Den Fluggast mit all seinen Bedürfnissen ganzheitlich betrachten – dieser Sichtweise schloss sich auch Alexander Laukenmann, Geschäftsführer am Flughafen Hamburg, bei der Paneldiskussion ‚Ready for take-off oder Startabbruch: Wohin führt die digitale Reise für Flughäfen?‘ an. „Der Gast am Flughafen ist ja in erster Linie erst einmal gestresst. Letztlich müssen wir es durch digitale Angebote schaffen, ihm diesen Stress zu nehmen und ihn zu entspannen.

Im Anschluss ließen die Teilnehmer den Konferenztag bei einem entspannten Get-Together ausklingen, das der Bitkom in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausrichtete.

Ein besonderer Dank geht an die Partner der Digital Aviation Conference: Bird&Bird, DLR, Fujitsu, Huawei Technologies, die P3 group und Q-loud sowie aerops, BigRep, Dassault Systèmes, Ericsson, Hamburg Aviation, nxtBase technologies, NXP Semiconductors und qnnected.

Die vierte Digital Aviation Conference findet am 6. Juni 2019 in Berlin statt - wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind!

 

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